Läutewerke für Annäherungs- und Warnungssignale

Die gesamte Thematik „Läutewerke“ schließt die längst vergessenen Läutewerke für Annäherungs- und Warnungssignale, die fast ausnahmslos an den unbeschrankten Bahnübergängen der Klein- und Nebenbahnstrecken standen, mit ein. Weil sie – streng genommen – nicht mehr zu den klassischen elektromechanischen Läutewerken zählen, die die Läutesignale abgaben, sondern ausschließlich durch ihren lauten Glockenklang Aufmerksamkeit hervorrufen sollten, werden sie erst an dieser Stelle vorgestellt.
Die letzten dieser Warnungsläutewerke dürften kaum die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts überdauert haben und sind vermutlich auch in keinem Eisenbahn- oder Technik-Museum mehr vorhanden. Das lag vor allem an dem stürmischen Aufschwung des Kraftverkehrs in den zwanziger und dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Dem ständig ansteigenden Verkehrsaufkommen auf der Straße mussten die Sicherheitsvorkehrungen an den vielen niveaugleichen Straßenübergängen angepasst werden. Die noch um 1900 herum ausreichend erscheinenden akustischen Warnanlagen mit diesen Läutewerken genügten aber zunehmend nicht mehr den Anforderungen. Demzufolge gerieten diese speziellen Läutewerke nach ihrem Abbau recht schnell wieder in Vergessenheit.

An den unbeschrankten Bahnübergängen machten neben den Dampfpfeifen und Läutewerken der Lokomotiven die Warnkreuze und Hinweisschilder die Gespannführer, Viehtreiber und Fußgänger als Verkehrsteilnehmer auf die Gefahrenstelle aufmerksam. Wer dort die Gleise überqueren wollte, hatte für seine Sicherheit selbst zu sorgen. Die an besonders kritischen Stellen darüber hinaus aufgestellten Läutewerke für Annäherungs- und Warnungssignale wurden vom fahrenden Zug per Schienenkontakt in beiden Fahrtrichtungen gleich gut wirksam ausgelöst und wieder abgeschaltet. Sie setzten eine Apparatur in Gang, die mit lautem Glockenklang die Straßenbenutzer am unbeschrankten Bahnübergang vor dem Herannahen des Zugs warnte.

Um 1895 herum wurden folgende Anforderungen an diese selbsttätigen Annäherungs- und Warnungsläutewerke gestellt:
• Zuverlässiges Arbeiten unabhängig von allen Witterungseinflüssen,
• Ingangsetzung nur durch die fahrenden Züge, nicht aber durch zufällige oder mutwillige Einwirkungen,
• Unabhängigkeit der Wirkungsweise von der Fahrgeschwindigkeit der Züge,
• selbsttätiges Abschalten nach Befahren des Überganges durch die Züge,
• ordnungsgemäße Tätigkeit ohne regelmäßige Bedienung und Wartung durch Menschenhand.
Das waren Forderungen nach einem vollautomatischen, wartungsfreien Betrieb, wie er Jahrzehnte später mit den noch heute gebräuchlichen zugbetätigten Warnlicht- und Halbschrankenanlagen in breitem Umfang eingeführt wurde.