Groos & Graf-Tischläutewerke zu neuem Leben erweckt

Friedrich Pietsch (links) brachte zwei defekte Tischläutewerke mit. (Foto: C. List)

Friedrich Pietsch (links) brachte zwei defekte Tischläutewerke mit. (Foto: C. List)

Am 14. Juni 2014 besuchte mich mein Hobbyfreund, der Telefonsammler  Friedrich Pietsch. Er hatte mir im Vorjahr bereits zum vollelektrischen RFB-Wandläutewerk verholfen und brachte nun zwei defekte Tischläutewerke von Groos & Graf, Berlin, mit. Friedrich vertraute mir beide Stücke zur Aufarbeitung bzw. Wiederherstellung der vollen Funktionalität an und überließ mir eines von den beiden für meine Sammlung.

Bereits der äußerliche Zustand verhieß eine Menge Arbeit. Wir einigten uns darauf, die beiden Geräte betreffs der Metalloberflächen nicht wieder in den hochglanzpolierten Lieferzustand zurück zu versetzen. Gebrauchsspuren sollten aber durchaus erhalten werden. So ergab sich nach gründlicher Sichtung beider Läutewerke ein umfangreicher Aufgabenkatalog:
1. Reinigung aller Metalloberflächen,
2. Justierung des an einem Stück vorhandenen Schlagwerkes,
3. Nachbau des gesamten am anderen Stück fehlenden Schlagwerkes,
4. Korrektur der Einlösemechanik zum sicheren Betrieb an einem Läutewerk,
5. Nachbau fehlender Teile der Einlösemechanik am anderen Läutewerk,
6. Reparatur eines Aus-/Einlösehebels und
7. Wiederherstellung der Funktion eines Federhauses.

In den nächsten Wochen wurde jede freie Stunde in der Werkstatt genutzt, diese Aufgaben abzuarbeiten.

Nach dem Öffnen des Federhauses zeigte es sich, dass die Feder nur ausgehakt war. (Foto: W. List)

Nach dem Öffnen des Federhauses zeigte es sich, dass die Feder nur ausgehakt war. (Foto: W. List)

Am schwierigsten gestaltete sich für mich der Punkt 7: Nach dem Öffnen des Federhauses stellte es sich heraus, dass die Spiralfeder nicht gebrochen, sondern an der Welle nur ausgehakt war.  Mir fehlten das passende Werkzeug und die Erfahrung, die Feder mit ihrer Aussparung wieder in den Mitnehmer der Welle einzuhaken. So wandte ich mich an den Uhrmachermeister Günter Haut aus Seehausen/Altmark, der mir freundlicherweise diese diffizile Arbeit abnahm.

Alle anderen Arbeiten gingen recht zügig von der Hand. Ich hatte die originalen Teile an einem der beiden Läutewerke für den Nachbau zur Verfügung und musste nur zusehen, neben möglichster Maßgenauigkeit auch das Aussehen nachzuempfinden, um dem  Original weitestgehend entgegen zu kommen. Mangels jeglicher Maschinen (außer einer Ständerbohrmaschine) waren da eine Menge Improvisationstalent und Fantasie gefragt. Eine kleine Bildauswahl gestattet einen Einblick in das wochenlange Wirken.

Der Aus-/Einlösehebel musste überarbeitet werden. Zwei fehlende Einzelteile waren nachzubauen. (Foto: W. List)

Der Aus-/Einlösehebel musste überarbeitet werden. Zwei fehlende Einzelteile waren nachzubauen.
(Foto: W. List)

Die äußeren Lager der beiden Hammerwellen waren die ersten Nachbauteile des Schlagwerkes. (Foto: W. List)

Die äußeren Lager der beiden Hammerwellen waren die ersten Nachbauteile des Schlagwerkes.
(Foto: W. List)

Oben der montierte große Hammer, unten Original und Nachbau der Hammerwelle für den kleinen Hammer. (Foto: W. List)

Oben der montierte große Hammer, unten Original und Nachbau der Hammerwelle für den kleinen Hammer.
(Foto: W. List)

Die Hammerwelle und der große Hammer konnten anhand des Originals nachgebaut werden. (Foto: W. List)

Die Hammerwelle und der große Hammer konnten anhand des Originals nachgebaut werden.
(Foto: W. List)

Das ist das wieder voll funktionsfähig aufgearbeitete Läutewerk für die Sammlung von Friedrich Pietsch. (Foto: W. List)

Das ist das wieder voll funktionsfähig aufgearbeitete Läutewerk für die Sammlung von Friedrich Pietsch. (Foto: W. List)

In der Sammlung List ist das Tischläutewerk Bestandteil einer Läutelinien-Präsentation. (Foto: W. List)

In der Sammlung List ist das Tischläutewerk Bestandteil einer Läutelinien-Präsentation. (Foto: W. List)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am 11. Juli 2014 war die Übergabe des fertig aufgearbeiteten und wieder voll funktionsfähigen Tischläutewerkes. (Foto: C. List)

Am 11. Juli 2014 war die Übergabe des fertig aufgearbeiteten und wieder voll funktionsfähigen Tischläutewerkes. (Foto: C. List)

Das Ergebnis kann sich sehen  und hören lassen: Friedrichs Tischläutewerk mit der Fabriknummer 4041 läutet nun wieder fünf kräftige Doppelglockenschläge ab. Mein Tischläutewerk mit der Fabriknummer 3863, das am 7. Juli 2014 fertig wurde, lässt sechs Doppelglockenschläge ertönen. Es ergänzt geradezu ideal die Präsentation einer Läutelinie!

So haben wir beide jeweils ein neues Schmuckstück in unseren Sammlungen und erfreuen uns an ihrem Wohlklang!