Rekonstruktion eines österreichischen Tischläutewerkes von Egger/Wien

Am Sonnabend, dem 21. Februar 2015, wurde mir ein österreichisches Tischläutewerk von Egger, Wien, angeboten. Die Triebwerksmechanik sei recht gut erhalten, doch bedürfe der gesamte Rest eines erheblichen Restaurationsaufwandes. Natürlich stimmte ich gern zu und erfreute mich bereits eine Woche später des Neuzuganges für meine Sammlung.

 

Egger-Tischläutewerk im Eingangszustand. (Foto: W. List)

Egger-Tischläutewerk im Eingangszustand. (Foto: W. List)

Nach gründlicher Begutachtung ergab sich der Umfang der notwendigen Arbeiten:

  1. Reparatur der Sockelplatte (Neubau einer Holzplatte)
  2. Richten des hinteren Ankerlagers
  3. Bau des vorderen Ankerlagers
  4. Bau des Ankers mit Welle
  5. Bau der Auslösegabel
  6. Bau der Ankerhubbegrenzung
  7. Bau des Auslösehebels
  8. Ersatz der oberen Spulenscheibe
  9. Bau der Anschlußklemmen
  10. Beschaffung eines Steckschlüssels

Die Reihenfolge der nun vorzunehmenden Arbeiten stimmt nicht zwingend mit dieser Auflistung überein.

Das Räderwek des Tischläutewerkes. (Foto: W. List)

Das Räderwerk des Tischläutewerkes.
(Foto: W. List)

Am 7. März begann die Restaurierung. Der erste Schritt war das vollständige Zerlegen in alle Einzelteile.  Danach kam das Richten des hinteren Ankerlagers und der Bau des vorderen Ankerlagers. Das war im Original abschaubbar und soll auch wieder so nachgebaut werden.

Es folgte der Bau des Ankers, der aus drei Einzelteilen besteht. Die arg beschädigte Holzscheibe der einen Spule ist erneuert worden.
Kompliziert wie auch schon beim restaurierten Czeija & Nissl-Tischläutewerk gestaltete sich der Bau der Auslösegabel und der Ankerhubbegrenzung, was sich über einen längeren Zeitraum hinzog und am 27. März beendet werden konnte. Die kleine Spiralfeder hat eine ausreichende Zugkraft.

Der komplette Auslösehebel musste aus mehreren Einzelteilen zusammengesetzt werden, die weich miteinander verlötet sind. Als Ausgangsmaterial für das dreikantiges Prisma, das auf der Auslösegabel aufliegt, diente ein Nagel, der entsprechend bearbeitet wurde.
Damit war der mechanische Teil des kleinen Tischläutewerkes am 5. April 2015 vollendet.

Nun muss noch die hölzerne Sockelplatte fertiggestellt werden. Danach folgen die Anschlussklemmen. Die letzte Arbeit wird der Bau eines Steckschlüssels sein, sofern nicht ein freundlicher Uhrmacher ein passendes Teil beisteuert…

Diese fehlenden Bauteile mussten neu angefertigt werden. (Foto: W. List)

Diese fehlenden Bauteile mussten neu angefertigt werden. (Foto: W. List)

Das vordere Ankerlager und die Ankerhubbegrenzung sind probemontiert. (Foto: W. List)

Das vordere Ankerlager und die Ankerhubbegrenzung sind probemontiert. (Foto: W. List)

Die Auslösegabel ist samt Ankerhubbegrenzung fertig gestellt. (Foto: W. List)

Die Auslösegabel ist samt Ankerhubbegrenzung fertig gestellt. (Foto: W. List)

Der komplett neu gebaute Anker ist eingesetzt. (Foto: W. List)

Der komplett neu gebaute Anker ist eingesetzt.
(Foto: W. List)

 

Die schöne Gravur der Herstellerfirma. (Foto: W. List)

Die schöne Gravur der Herstellerfirma.
(Foto: W. List)

Der mechanische Teil ist wieder komplett. (Foto: W. List)

Der mechanische Teil ist wieder komplett.
(Foto: W. List)

 

 

 

 

 

 

Nach dem mehrfachen Grundieren der Sockelplatte (Eichenholz) bis zum annähernden Erreichen des originalen Farbtones und dem parallel dazu erledigten Bau der Anschlussklemmen vergingen noch ein paar Tage. Die Sockelplatte wurde abschließend mit einer Dickschichtlasur versehen, und dann stand der endgültigen Montage, Verdrahtung und Inbetriebnahme nichts mehr im Wege: Am Donnerstag, dem 16. April 2015, war die Rekonstruktion abgeschlossen.

 

Die Aufzugseite. (Foto: W. List)

Die Aufzugseite. (Foto: W. List)

Die Glockenseite. (Foto: W. List)

Die Glockenseite. (Foto: W. List)